Die Stuttgarter Schachfreunde trauern um Dr. Karl Thurner


Nachruf

Die Stuttgarter Schachfreunde trauern um

Dr. Karl Thurner

* 28.05.1921     † 13.03.2015
Am 13. März 2015 ist unser langjähriges Mitglied und ehemaliger Vereinsmeister der Schachfreunde von 1907   Dr. Karl Thurner   im 94-ten Lebensjahr verstorben.

Viele mögen sich fragen »Wer war denn Dr. Thurner?«.   Nun, jedem, der unsere Vereinszeitschrift „Der Schachfreund” aufmerksam liest, sollte die Ehrung unserer drei Schachfreunde Willi Grüb, Hans-Ulrich Höschele und eben Dr. Karl Thurner für ihre 60-jährige (in Worten: SECHZIG) Mitgliedschaft in der Ausgabe vom September 2012 nicht entgangen sein.

Karl Thurner kam 1951 als bereits 30-jähriger junger Mann von Heidenheim nach Stuttgart. Er wurde dann mehrfach Vereinsmeister der Stuttgarter Schachfreunde von 1907 - einer der beiden Vorläufer der heutigen SSF 1879 - und er war als Spitzenspieler dabei, als die SSF 07 erstmals Württembergischer Mannschaftsmeister wurden. Aus dieser Zeit kennen ihn Josef Rieder und Hans-Ulrich Höschele noch persönlich. Beide waren als - nur gerade mal ein Jahrzehnt jüngere Nachwuchsspieler - von seiner Persönlichkeit sehr beeindruckt. Karl Thurner studierte und promovierte in Stuttgart. Im Jahre 1959 ergriff er die Chance eine aussichtsreiche Position bei der BASF in Ludwigshafen anzunehmen. Dort verlieh man ihm Prokura, und er verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei der BASF.

Schachlich wandte er sich dem ersten Klub am Platze zu, den sogenannten „Zwölfern”, dem SK Ludwigshafen 1912. Doch den Stuttgarter Schachfreunden hielt er, obwohl er fast 150 km entfernt in Frankenthal lebte und mit dem Raum Stuttgart und mit Württemberg nichts mehr zu tun hatte, über mehr als ein halbes Jahrhundert die Treue! Das muss etwas bedeuten. Darauf sind wir sehr stolz!



Aus dem Buch von Eberhard Herter: „Schach in Württemberg”:



Es ist kaum zu glauben. Aber Dr. Thurner hat es auch im hohen Alter noch mit den Jungen am Schachbrett aufnehmen können. Er hat fast die gesamte Saison 2014/2015 in der 1. Pfalzliga durchgespielt. Sein letzter Mannschaftskampf war am 8. März 2015, ein Remis gegen einen 15-jährigen Spieler von Ramstein-Miesenbach mit ELO 1807, nur fünf Tage vor seinem Tod!

Dr. Karl Thurner hat über viele Jahrzehnte, und das bis zuletzt, allmonatlich die Blitzturniere des SK 1912 organisiert. In der Hall of Fame seines Klubs erfahren wir von diesen Erfolgen Karls:

  • 1983   Klubmeister
  • 2007   Pokalsieger
  • 2012   Schnellschachmeister


  • und last but not least:
  • 2009   Nestorenmeister des Schachbunds Rheinland-Pfalz

  • Siegerehrung der Rheinland-Pfalz-Senioren-Meisterschaft 2009
    © SBRP


    Doch Schach ist nicht alles. Nach seiner Pensionierung hat Herr Thurner zwei Mal im Jahr eine Studienreise zusammen mit seiner Ehefrau unternommen. Dank seiner hervorragenden Verfassung war das bis zuletzt möglich. Insgesamt hat das Ehepaar Thurner auf diese Weise etwa 50 Länder besucht.

    Und wie geht es mit dem Schach in der Familie Thurner weiter?

    Karl Thurners 1967 geborene Tochter hat sich nicht für die Schachleidenschaft ihres Vaters erwärmen können. Doch Sohn Christoph, inzwischen nicht mehr aktiv und seit vielen Jahren in Neuseeland lebend, gewann 1987 die Blitzmeisterschaft beim SK Ludwigshafen 1912. Aus den Jahren 1995 - 1998 findet man einige Partien Christophs in der Megabase. Trotz nicht immer ganz astreiner Eröffnungen pflegte er gegen 24xx-Spieler zu remisieren und 22xx zu schlagen! Auch in seiner neuen Heimat hat er mal „mitgeblitzt”. Das Ergebnis war ein fünfter Platz bei der Einzelblitzmeisterschaft Neuseelands 2008. Heute wird die Schachtradition im Hause Thurner durch Christophs siebenjährige Tochter Anya fortgeführt. Sie spielt beim Waitakere Junior Chess Club in Auckland. Wer weiß, vielleicht muss Vater Christoph sie ja mal als Vertreterin Neuseelands zu einer U10W-Weltmeisterschaft auf einer großen Reise nach Übersee begleiten!?

    Text und Montagen:  Claus Seyfried



    Drei Generationen Thurner am Schachbrett:   Dr. Karl Thurner, Enkeltochter Anya Thurner (Waitakere Junior Chess Club, Auckland / Neuseeland) und Anyas Vater Christoph Thurner:

       





    Einige Partien Dr. Thurners zum Nachspielen