Der 22. Oktober 2017 und seine Folgen

Der Spieltag vom 22. Oktober 2017 hatte erstaunliche Folgen für unseren Verein, von denen heute noch die Rede ist. Höchst unerfreulich für unser Team 1 verlief ein Protest des SV Wolfbusch, denen erst Stunden nach der kritischen Situation eingefallen ist, dass unser Spieler an Brett 2 zu spät gekommen sei und sie deshalb den vollen Punkt haben wollen. Wohlgemerkt, erst nachdem die Partie gespielt und mit Remis beendet wurde. Es passte halt so schön um eine 3½:4½-Niederlage noch in ein 4:4-Unentschieden umzumünzen. Das Verbandsschiedsgericht (ohne die beiden wegen ihrer Vereinszugehörigkeit befangenen 1. und 2. Vorsitzenden) gab dem Protest des SV Wolfbusch gegen die Entscheidung des Schiedsrichters und gegen die Entscheidung des Verbandsspielleiters statt. Auch wenn man es bei den „Nord-Stuttgartern“ ungern hört, ist es eine Tatsache, dass sowohl unsere württembergischen Schiedsrichter als auch die Bundesspielkommission über dieses Urteil überwiegend den Kopf schüttelt.

Unter völlig anderen Vorzeichen verlief ein anderer Fall, der am selben Tag beim Match unserer Zweiten bei Böblingen 2 geschah. Da vier Spieler unseres Teams Anfang September als Vertreter Württembergs bei der Ländermeisterschaft der Senioren in Templin vorgesehen waren, hatte ich Mario Born, den Böblinger Präsidenten, bereits im August um eine Spielverlegung gebeten, als ich ihn zufällig an einem Spätnachmittag bei der WEM in Plochingen traf. Gar kein Problem, meinte Mario, die beiden Mannschaftsführer Hans-Peter Remmler und Josef Gabriel sollen das unter sich regeln.

So war's verabredet und so geschah es. Am selben Tag des Matches unserer Ersten in Wolfbusch verlor unsere Zweite in Böblingen gegen deren Zweite das verlegte Match mit 6:2. Doch am späten Sonntagabend war im Ergebnisdienst aus dem 6:2 für Böblingen 2 plötzlich ein 0:8 zugunsten von Stuttgart 2 geworden! Was war geschehen? In Holger Schröcks Ergebnisdienst ist offenbar eine Kontrolle programmiert, die dem Staffelleiter im Falle von Spielverlegungen anzeigt, ob vielleicht einer der aktuell eingesetzten Spieler auch schon am ursprünglich angesetzten Spieltermin, in unserem Fall also der 24.09.2017, in einem anderen Team eingesetzt war. Erst so fiel der praktisch „doppelte“ Einsatz des Böblinger Spielers Erhard Frolik an Brett 8 auf. Staffelleiter Philipp Müller aus Neckarsulm blieb nach der WTO gar nichts anderes übrig als das Ergebnis auf 0:8 zu setzen, und die Teams von Böblingen 2 und Stuttgart 2 fielen aus allen Wolken. Doch noch am selben Abend kam die Reaktion von Mannschaftsführer Josef Gabriel, dass man Siege auf diese Art nicht wolle! Nachdem Josef so reagiert hatte, habe auch ich mich im Verband gegen diese 0:8-Wertung eingesetzt, nicht zuletzt weil diese Regelung mit der völlig überzogenen 0:8-Sanktion wirklich unverständlich ist. Und die Böblinger sollten auf keinen Fall die Leidtragenden sein, nur weil sie unserem Wunsch auf Spielverlegung entgegen gekommen waren.

Zunächst wollte Mario Born beim Verbandsschiedsgericht Protest einlegen. Doch vom Schiedsgerichtsvorsitzenden Alexander Häcker erhielt er die Auskunft, dass angesichts der Formulierung in der WTO dem Schiedsgericht gar nichts anderes übrig bleibe als die 0:8-Wertung zu bestätigen. Er solle sich die 100 € Protestgebühr lieber sparen, den Protest zurückziehen und es stattdessen mit einem Gnadengesuch versuchen. Nun hat der Präsident des Schachverbands Württemberg große Bedenken sich über niedergeschriebene Regelungen hinwegzusetzen. Vor allem aus Sorge, dass andere direkt oder indirekt betroffene Vereine ihrerseits Forderungen an den Verband ableiten könnten. Doch in diesem Fall hat Präsident Armin Winkler sich zunächst ein Meinungsbild von den weiteren Präsidiumsmitgliedern abgeholt und Anfang Januar schließlich das Gnadengesuch zugunsten von Böblingen entschieden. Wir begrüßen das ausdrücklich, obwohl nun unser Team 2 sehr ernsthafte Abstiegssorgen hat. Doch vielleicht haben wir ja auch mal Glück und unsere Zweite kann den Klassenerhalt in der Verbandsliga Nord doch noch schaffen? Bitte merkt Euch den Termin 4. März vor. Unsere Zweite hat in Runde 7 der Verbandsliga ein Heimspiel gegen Spraitbach. Ob wir da vielleicht ein 4:4 schaffen? Wenn wir Pech haben, sind an diesem Tag auf Spraitbacher Seite mehrere Großmeister zu sehen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Und jede Menge Zuschauer hat dieses Match im BZW allemal verdient.

Ach so, jetzt fällt mir gerade wieder ein, weshalb ich das alles überhaupt schreibe. Unser Verhalten wird in der Veröffentlichung unseres Verbandsspielleiters Carsten Karthaus „Neues vom Spielbetrieb“ als Beispiel für Fairness zitiert. Das ist doch wenigstens erfreulich. Darüber hinaus machte es heute abend auch Karlheinz Vogel (SV Böckingen) in seiner Veröffentlichung im Schach-Ticker zum Thema. Auch wenn wir da als „Stuttgarter Stadtfreunde“ und nicht als „Schachfreunde“ bezeichnet werden! Und einen ersten Kommentar gibt es auch schon. Walter Rädler aus München ist bekannt aus dem Schulschach und einer der neuen DSB-Vizepräsidenten.

Claus Seyfried