Irgendwie war es knapp ! Nach Brettpunkten landeten wir auf Platz 9 !


Vor der letzten Runde lagen wir auf einem sicheren sechsten Platz. Auf einem sicheren ? Wegen des Letztrunden-Sieges von Böblingen I in der Zweiten Liga würde es in der Oberliga Württemberg nur zwei und keine drei Absteiger geben. Ausserdem müsste Deizisau gegen Ulm ein 4:4 schaffen und Ebersbach müsste gegen Biberach gewinnen, damit uns diese beiden noch abfangen. Während der Saison eher unwahrscheinliche Ergebnisse. Aber in der letzten Runde ..... wäre es naiv nicht anzunehmen, dass genau das passieren würde!

Also durften wir uns nicht auch noch von Böblingen II überholen lassen, um nicht abzusteigen. Das hieß, wir mussten den Böblingern ein 4:4 abnehmen. Dass das nicht einfach werden würde, konnte man sich schon alleine aufgrund des wackligen 4½-Sieges unserer Ersten Mannschaft im Oktober denken, auch wenn sich mit René Dausch (2394), Martin Böhm (2298) und Karsten Schuh (2234) die drei Besten der Böblinger schon in der Zweiten Liga festgespielt hatten. Zudem mussten wir leider auch einige unserer Leistungsträger ersetzen. Für Spannung war also gesorgt.

Bis auf Clemens Behrendt (2100) trat Böblingen an wie erwartet. Das machte natürlich trotzdem einigen von uns die Vorbereitung kaputt. Clemens (wir kennen uns vom Firmenschach bei der Württembergischen Versicherung) erschien später noch, als alles schon fast vorbei war mit ein paar Verbänden an Armen und Beinen. Hat er etwa nur deshalb nicht mitgespielt ?
Ok, wenn die Böblinger sich's leisten können !!

Optimistisch war ich von Anfang an bei Wilhelm Haas, dass er an Brett 4 die Löcher in der Holländischen Verteidigung von Horst Weisenburger (2198) aufspüren würde. Vor allem nach dem Zug g6-g5 des Schwarzen. Sonst war noch nicht viel los. Martin Hofmann hatte sich mit Weiß gegen Hans-Peter Remmler (2209) wie immer sehr solide aufgestellt und eine leicht vorteilhafte Stellung erreicht. Und auch unsere drei Reserven machten sich bestens. Matthias Strobel spielte an Brett 6 gegen Hida Kemajl (2101) sein Damengambit zunächst sehr zurückhaltend und konnte nach einem zu optimistischen Vorstoß seines Gegners mit einem guten Konter klaren Vorteil erreichen. Noch zuversichtlicher war ich bei der Schwarzpartie von Stephan Stolz an 7, dessen Gegner Hagen Öttinger (2109) im Damengambit gegen den schwarzen Stonewall nichts besseres einfiel, als den Damenflügel abzuriegeln, und das auch noch mit untauglichen Mitteln und eingebauter Einladung zum Gegenhebel. Vadym Kaplunov an Brett 8 konnte ebenfalls gegen die Holländische Verteidigung seines Gegners Andreas Thiele (2050) lange einen Anzugsvorteil behaupten, nahm dann aber später dessen Remisangebot an.

In der Zwischenzeit war Josef Gabriel an Brett 1 (und wie in 7 von 9 Fällen leider erneut mit Schwarz spielend) durch einen Doppelangriff seines Gegners Peter Bauer (2266) ins Trudeln geraten. Trotz Josefs ideenreicher Verteidigung konnte Weiß seinen Vorteil behaupten und am Ende gewinnen. Ich selbst kam an Brett 5 mit Schwarz gegen Mario Born (2199) und spielte aus einer Laune heraus die Eröffnung ganz anders als sonst gegen 1.Sf3 nebst 2.g3 usw.. Mein Remisangebot kurz nach Damentausch schlug Mario Born mit dem Hinweis auf den Tabellenstand nolens volens aus. Und das auch völlig zu Recht, denn ich wurde ich mit meiner Stellung nach und nach unzufriedener und schätzte sie schließlich als sehr gefährdet ein.

In der Zwischenzeit endeten die Partien an den Brettern 8 und 7 mit Remis, und auch Matthias Stobels schöner Vorteil war aufgrund ungleicher Läufer bei noch vollem Schwerfigurenset bereits gefährdet. Matthias' Partie lief zwar am zweit längsten und er kämpfte bis zur letzten Patrone, aber nach dem Abtausch der Schwerfiguren gab es keine Chance mehr auf den vollen Punkt. Mit den drei Remisen der Ersatzspieler waren wir aber hoch zufrieden und ihr Einsatz hat ganz wesentlich zum Erfolg der Mannschaft beigetragen!!

Gedanklich war ich jetzt bei einer knappen Niederlage, mit der realen Null an 1, dem realen Sieg von Wilhelm Haas, vorsichtshalber einer Null bei mir und zwei Remisen an 2 und 3. In Wahrheit hoffte ich aber auf einen Sieg von Martin Hofmann an 2 und mindestens einem Remis von Hartmut Schmid, wobei diese Hoffnungen weniger auf einer wohlüberlegten Stellungsbeurteilung beruhten, sondern viel mehr weil man die Spieler kennt und auf ihre Fähigkeiten vertraut.

Es kam aber ein wenig anders. In Zeitnot übersah Mario Born einen forcierten Gewinnweg für sich und gestattete mir im Gegenzug einen kleinen Trick, so dass ich zu einem völlig unerwarteten Sieg kam. Umgekehrt unterschätzte Martin das eindringende Turmpaar seines Gegners und verlor die vorteilhaft geglaubte Partie.

So blieb, neben Matthias Strobels voraussichtlichem Remis, beim Stande von 3:3 nur noch Hartmut Schmids Partie übrig. An Brett 3 konnte Harry Messner (2154) mit Weiß immer eine leichte Initiative, bzw. einen leichten Stellungsvorteil gegen Hartmuts soliden Aufbau behaupten. So kam es zu einem seltenen Endspiel. Der einzige verbliebene Bauer auf dem Damenflügel war ein weißer B-Bauer, während sich auf dem Königsflügel ein weißer F- und ein schwarzer G-Bauer gegenüber standen. Ausserdem hatten beide einen Springer und einen weißfeldrigen Läufer. Da hat Weiß natürlich Gewinnchancen. Wie ein Fußballspieler den Ball beim Dribbling mit dem Körper abdeckt, muss er seinen B-Bauern geschützt von den Leichtfiguren nach vorne treiben.

Die Partie ging über die vollen 6 Stunden. Während der ganzen restlichen Spielzeit wussten wir schon, dass die Begnungen in Deizisau und in Ebersbach (natürlich!) gegen uns und gegen Böblingen liefen. So war klar, dass in Hartmuts Partie zwischen Böblingen 2 und Stuttgart 2 um Klassenerhalt oder Abstieg gespielt wird. Viele waren pessimistisch, bei bestem weißem Spiel vielleicht zu Recht, und sahen uns schon mit zwei Teams in der Verbandsliga. Aber ich habe die ganze Zeit fest daran geglaubt, dass Hartmut das Remis hält und im richtigen Moment die letzten weißen Bauern wegschnappt !!!

Und so kam es auch ! Aber zugegeben, es war spannend !

Das Verdienst für den Klassenerhalt gebührt natürlich uns allen, der gesamten Mannschaft, die in dieser Saison im Einsatz war. Aber besonders gefreut habe ich mich an diesem Schlusstag über die drei Ersatzspieler, die alle einen sehr sicheren Eindruck hinterließen, über Wilhelm Haas mit seinem Saison-Ergebnis von +2 gegen stärkste Gegnerschaft und last but not least beim heutigen dramatischen Verlauf vor allem über Hartmut Schmids Ausdauer und Zähigkeit!!

17.04.2011     Claus Seyfried